Der Heilige Geist der "Motor" unseres Lebens PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Stefan Stratmann   
Samstag, den 22. Mai 2010 um 07:00 Uhr

Wahrscheinlich haben viele von uns schon einmal die Szene beobachtet, wie jemand im Auto sitzt und zwei oder drei andere Personen versuchen mühsam das Auto anzuschieben – doch ergebnislos. Sie probieren es ein zweites oder auch ein drittes und vielleicht sogar ein viertes Mal. Dann endlich ein Lärm und der Motor springt an, das Auto fährt und bei allen Beteiligten kommt der Ausdruck der Erleichterung über das Gesicht.

Ist dies nicht vielleicht ein Bild dafür, was im christlichen Leben passiert?

 

Wir sitzen in einem wunderschönen Auto mit einem kräftigen „Motor“ unter der Haube. Durch ständiges, mühevolles Anschieben kommen wir zwar ein kleines Stück voran, aber der „Motor“ bleibt aus, er bleibt stumm. Dabei steht uns doch dieser enorm machtvolle „Motor“ zur Verfügung: „die Kraft aus der Höhe“ - der „Heilige Geist“ -, die nur darauf wartet, in „Gang gesetzt“ zu werden. Doch wir schieben, schieben und schieben. Viele bleiben dabei auf der Strecke und steigen aus. Andere geben sich damit zufrieden ihr Leben lang nur auf diese Art und Weise voran zu kommen. Dabei ist ihnen schon gar nicht mehr bewusst, dass ihnen dieser gewaltige „Motor“ zur Verfügung steht und das Leben, auch das christliche Leben viel müheloser laufen kann.

Der Kirchenvater Athenagoras von Athen hat diese Situation im 2. Jahrhundert so beschrieben: „Ohne den Heiligen Geist ist Gott fern, bleibt Christus in der Vergangenheit, ist das Evangelium ein toter Buchstabe, die Kirche ein bloßer Verein, die Autorität eine Herrschaftsform, die Mission Propaganda, die Liturgie eine Geisterbeschwörung und das christliche Leben eine Sklavenmoral.“

Der Funke zum Zünden des „Motors“ ist ganz einfach nicht entfacht.

Das Pfingstfest sollte uns helfen, diesen „Motor“ und die Methode zu entdecken, ihn in Gang zu bringen. Das Pfingstfest sollte uns helfen, das Geheimnis, die Erfahrung dessen zu machen, was die Kirche „ein neues Pfingsten“ nennt. Dieses „neue Pfingsten“ beginnt im Gebet, in der Bitte um die Kraft des Heiligen Geistes. Dort „funkt“ es, sodass der Motor anspringt! Wie damals, als die Jünger sich im Abendmahlsaal um Maria versammelten (Apg 1,14) und neun Tage um den Heiligen Geist beteten, müssen auch wir darum bitten. Jesus Christus selbst hat uns doch verheißen, dass der himmlische Vater den Heiligen Geist denen geben wird, die darum bitten (Lk 11,13).

Wer wirklich bittet und mit dem Wirken des Heiligen Geistes rechnet, bei dem wird das Leben aus dem „Alltagstrott“ herausgeführt. Rechnen wir wirklich damit oder wollen wir gar nicht aus dem „Alltagstrott“ gerissen werden?

Wer um den Heiligen Geist bittet, der muss wissen, dass er damit die göttliche Störung herbeiruft und sich dafür offen hält, dass Gott ihn stört in seinem „Alltagstrott“, in seinen Gewohnheiten, auch in seinen Denkgewohnheiten,… Wer also bittet, „Komm, Heiliger Geist“, muss auch bereit sein, zu bitten: „Komm und störe mich, wo ich gestört werden muss – zu meinem Heil und zum Heil der Welt.“

Bitten wir und öffnen wir uns diesem Geist Gottes, lassen wir den Funken zum Zünden zu, rechnen wir damit, dass der Heilige Geist jetzt und hier in meinem Leben wirkt und mich verändert, zu dem Menschen, wie Gott mich gedacht hat.

 

Westfalen Blatt Nr. 118 / 22. Mai 2010

 

 
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